Herzlich willkommen! Der Blog für Kirche in der Welt, christliche Lebenspraxis und Spiritualität von Thomas Heim Pfarrer in der reformierten Kirche Minister in the Protestant Church
Pfr. Thomas Heim
Biblisches Wort zum Tag (Die Herrnhuter Losung)
Montag, 2. März 2009
Predigt vom 1.3.09 zu Matthäus 4,1-11: Die Besinnung in der Wüste
Lass mich noch eben Zigaretten holen gehn
Sie rief ihm nach nimm dir die Schlüssel mit
Ich werd inzwischen nach der Kleinen sehn
Er zog die Tür zu ging stumm hinaus ins neonhelle Treppenhaus
Es roch nach Bohnerwachs und Spießigkeit
Und auf der Treppe dachte er
Wie wenn das jetzt ein Aufbruch wär
Ich müsste einfach gehn
Für alle Zeit, für alle Zeit….
Hier am Anfang des Lieds „Ich war noch niemals in New York“ singt Udo Jürgens von einem gutbürgerlichen Mann mit Frau und Kind den es plötzlich in die Ferne zieht. Am Anfang dieser Versuchung steht die Sehnsucht nach neuen Erlebnissen, nach neuen Erfahrungen.
Wie ist der Weg Jesu in seine Versuchungen? Er wurde vorher von Johannes dem Täufer im Jordan getauft und erfuhr da die Zusage von Gott: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich wohlgefallen.“ Dann wird Jesus in die Wüste geführt, vom Geist. Die Wüstenzeit gehört folglich zu seinem Leben als Gottessohn. Auch während seiner Verkündigungstätigkeit zieht er sich immer wieder zurück ins Gebet und sucht die Gemeinschaft mit dem Vater. Bevor er also mit seiner Verkündigung beginnt, richtet er sich für die heilige Zeit von vierzig Tagen auf Gott aus. Aber wozu nimmt er diese Herausforderung, vierzig Tage ohne feste Nahrung, auf sich? Es macht ihn wohl nicht nur verletzlicher, sondern auch sensibler und bereitet ihn so auf seine kommende Aufgabe hin, die ihn bis ans Kreuz führen wird.
Diese scheinbare Angreifbarkeit will der Widersacher nützen und erscheint bei Jesus am Ende seiner Fastenzeit.
Mit der ersten Versuchung, Steine in Brot zu verwandeln, will er die Gunst der Stunde nützen. Doch Jesus weiss, dass der Mensch zum Leben nicht nur auf das Brot aus dem Getreide des Feldes angewiesen ist, sondern auch auf das Wort aus dem Munde Gottes. Dieses Wort kann meiner Meinung nach verschiedene Gestalten annehmen, sei es als Bibelwort, als Wort eines Mitmenschen, als eingegebener Gedanke oder vielleicht als Bild im Traum. Die Lebensnotwendigkeit drückt sich auch im Lied aus, das wir vorher gesungen haben, in dem das Verlangen des dürstenden Hirsches mit der Sehnsucht nach Gott parallelisiert wird.
In der zweiten Versuchung soll Jesus Gottes Güte testen. Das Vertrauen in Gott wäre demnach nicht unbedingt. Gottes Fürsorge würde funktionalisiert. Der Wellness-Gott könnte dann nach Bedarf konsultiert werden. Die Realität Gottes entzieht sich aber einer solchen Kontrolle.
Die zwei ersten Versuchungsaufforderungen beginnen mit „Wenn du der Sohn Gottes bist…“
Die gewünschten Handlungsweisen entsprechen aber nicht dem Verständnis das Jesus in seiner anschliessenden prophetisch-messianischen Tätigkeit an den Tag legt. Jesus kennt seinen Auftrag und seine Identität nicht zuletzt dank dem Zuspruch in der Taufe. Dieser Zuspruch der Taufe, verwandelt sich im Angesicht der Versuchung zum Anspruch den es zu bestätigen gilt. Auch für uns als Getaufte Christen gilt also die Aufforderung „Werde was du bist, ein Sohn oder eine Tochter Gottes“.
In der dritten Versuchung will der Widersacher den Gottessohn von seinem Weg ans Kreuz abhalten und bietet ihm eine Alternative an, wie er die Herrschaft über die Welt erhalten könnte. Diese Versuchung rechnet damit, dass man nicht von Gott allein das Gute erwartet und der Lüge nachgibt, da es sich ja letztlich um das Versprechen eines Machtlosen handelt. Die Herrschaft ist nicht auf teuflische Weise erreichbar. Diese erkennt Gott und die eigene Begrenztheit nicht an.
Und wir? Führt unser Weg auch in die Wüste und die Versuchung?
Schon die frühchristliche Gemeinde erlebte die Versuchung als reale Situation im Leben eines Christen. Im 2. Petrusbrief lesen wir: Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.
In unserem Leben ist die Lage nun nicht so eindeutig wie in der Versuchungsgeschichte des Matthäusevangeliums, hier der gottgesandte Jesus, da der teuflische Widersacher. Ich muss zuerst einschätzen mit wem ich es zu tun habe. Wem kann ich vertrauen? Wer ist mir wohlgesinnt und wer verhält sich mir gegenüber nur opportunistisch? Welchen Versprechungen darf ich glauben? Wem schenke ich meine Aufmerksamkeit?
Und wo liegen die konkreten Versuchungen? In meinen Hoffnungen, die sich als Fata Morgana erweisen? In meiner Bequemlichkeit, Trägheit oder Selbstgenügsamkeit? Vielleicht in der Gewohnheit und Zerstreuung oder der Furcht den vermeintlich einfacheren Weg zu wählen und ein unangenehmes Gespräch oder eine schwierige Aufgabe zu verdrängen..
Jetzt werfen wir noch einen Blick auf den Schluss des Lieds „Ich war noch niemals in New York“.
Dann steckte er die Zigaretten ein und ging wie selbstverstaendlich heim
Durchs Treppenhaus mit Bohnerwachs und Spiessigkeit
Die Frau rief "Mann, wo bleibst Du bloss, Wetten Dass mit Gottschalk geht gleich los"
Sie fragte "War was ?" - "Nein, was soll schon sein."
Der Mann im Lied zeigt Stärke, indem er nicht aus der Verantwortung flieht. Es bleibt aber ein deprimierender Eindruck zurück. Er bleibt nämlich passiv, weil er den Raum nicht gestaltet, in dem er lebt. Wie wärs wenn der Mann im Lied von Udo Jürgens aufs Fernsehen oder die Zigaretten verzichtete. Was würde er mit der gewonnenen Zeit oder dem gesparten Geld anfangen? Würde er neue Aufmerksamkeit und Achtsamkeit finden für seine Familie, ihre Wünsche, Freuden und Leiden und so zu einer tiefergehenden Beziehung zu Frau und Tochter kommen?
In unserer Alltäglichkeit ist es oftmals nicht einfach, dem Göttlichen auf die Spur zu kommen. Die Alltäglichkeit oder vielleicht besser gesagt die Gewohnheit kann die Sicht auf Gott verdecken. Deshalb bieten solche Vorbereitungszeiten wie die Passionszeit eine Chance Gott zu ent – decken, indem ich mich empfänglicher und freier mache. So sich selber, andere Menschen und die Welt neu oder anders denken. Dazu rufen uns auch die beiden Aktionen auf, die heute starten. Die Welt anders denken, dazu regen die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer an mit ihrer Agenda zur Passions- und Fastenzeit und dem Motto Weil das Recht auf Nahrung ein gutes Klima braucht. Das Titelbild zeigt wie die Welt gemessen an der Nahrungsmittelversorgung eigentlich aussähe, Südamerika und Afrika sind folglich sehr schmal gehalten. Die Agenda finden Sie in ihrem Briefkasten.
Die zweite Aktion wurde vom Blauen Kreuz initiiert. Sie regt zu einem TimeOut an und ruft zu lohnendem Verzicht auf. Für ein bis 6 Wochen kann man auf eine alltägliche Gewohnheit (sei es das Feierabendbier, Gamen, Handy, Internet, Kaffee oder der Musikplayer) verzichten und dadurch frei für anderes werden. Das Informationsblatt zu dieser Aktion ist ihrem Gesangbuch beigelegt. Auf der Titelseite sehen Sie das Symbol für diese Aktion, eine zitternde Maus, die vor ihrem Bildschirm am Videospielen ist.
Zurück zu Jesus, wie geht es mit ihm weiter? Nachdem der Satan ihn verlassen hat, kommen nun die Engel und versorgen ihn. Damit wird die Behauptung der zweiten Versuchung widerlegt, dass Jesus das Eingreifen Gottes hätte provozieren sollen.
Nachdem Jesus die Wüste verlassen hat, beginnt er mit der Verkündigung der frohen Botschaft von der Nähe der Gottesherrschaft: Ändert euer Leben! Denn das Himmelreich wird sichtbar in der Welt.
Auf diesem Wort gründet auch die erste der 95 Thesen Martin Luthers: Unser Herr und Meister Jesus Christus wollte mit seinem Wort: Tut Busse denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!, dass das ganze Leben der Gläubigen Busse sei.
Dieser Weg des Glaubens, der Weg hin zu Gott, führt uns in der Nachfolge Christi durch die Versuchung, dabei können wir aber die Zusage des Auferstandenen Jesus für uns in Anspruch nehmen: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“ Mt 28,18
Amen.
Predigt vom 8.2.09 Matthäusevangelium 20,1-16: Die Arbeiter im Weinberg
Gott beschäftiget üs, das isch ds Motto vo dr hütige Predigt, wie igs im Anzeiger ha la aakünde, liebi Gmeind.
Gott beschäftiget üs i mehrfachem Sinn. Jitz grad mit sym Gschänk a üs, die ghörte Wort us dr Bibel. Ds Glychniss, wo mir zäme aaluege das het mi di Wuche stark beschäftiget u wird mi o witerhin beschäftige, so vielfältig isches nämlech. Einisch düreläse längt da nid. Mir heis mitere metaphorische Red über d’Realität z’tüe. Was ghört id Wält vom Glychnis u was let sech i üses Läbe hie ir Gägewart übertrage? Wär ei müglechi Frag. Bietet das Glychnis vo de Arbeiter im Wybärg u vom güetige Landbsitzer öppe gar e Lösig gäge drohend wirtschaftlech Abschwung?
Da müesse mir zersch genauer häreluege, was dr Jesus hie sine Jünger verzellt. Jesus beschribt e gwöhnleche Tag i dr Zyt vor Ärnti u verglicht dä mit em Himmelrich, wie mirs ir Läsig ghört hei, das isch ds Rich vo Gott, d’Herrschaft vo Gott, wo Jesus verkündet u i sine Tate bezügt het. Äs geit da um die Herrschaft, wo mir Gott im Unser Vater Gebät drum bitte, we mir säge: Dein Reich komme.
Stige mir ii am Afang vom Glychnis. Äs isch Ärntezyt u drum stellt dr Landbsitzer Taglöhner aa, dass die grossi Arbeit cha bewältiget wärde u d’Ärnti müglechscht schnäll cha iibracht wärde, bevor ä Wätterumsturz chunnt oders chunnt cho hagle.
Scho früeh am Morge, öppe am 6i geit dr Landbsitzer uf d’Suechi. Är handlet mit de Arbeiter dr Lohn us u sie einige sech ufne Lohn vo eim Denar. Das isch i dere Zyt dr gängig Lohn für ei Tag Arbeit gsi.
I däm erschte Teil begägne üs zwöi Symbol d’Zyt vor Ärnti u dr Wybärg als Ort, wo d’Arbeiter häregschickt wärde. Vo dr Ärntezyt redt Jesus, wo-n-är sini Jünger usschickt, dass sie sys Evangelium vo dr Gottesherrschaft id Wält usetrage.
36 Als Jesus aber die Volksmengen sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Dann spricht er zu seinen Jüngern: Die Ernte zwar ist groß, die Arbeiter aber sind wenige. 38 Bittet nun den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in seine Ernte! Matthew 9:36 - 10:1
Dr Wybärg isch ä Bezeichnig fürs Volk Israel, so hei mirs i dr erschte Läsig usem Buech Jesaja ghört. Gott isch dr Winzer, wo sys Volk hegt und pflegt. Ähnlech isch dr Uftrag a d’Jünger. Sie sölle d’Fürsorg vo Gott de Mönsche in Wort und Tat bezüge u so dr Wybärg pflege, das isch ds Gottesvolk.
Üse Wybärgbsitzer isch usdurend u beharrlech, är geit nämlech o am 9i am morge, am 12i u am drü am Namittag wieder ufe Märitplatz ga luege für Arbeiter u är findt ere wieder. Sie stöh unnütz ume.
Dasmal wird nüme verhandlet übere Lohn, dr Wybärgbsitzer verspricht ihne eifach, dass är sie grächt tüengi entlöhne. D’Arbeiter müesse also vertroue zu ihm ha, was sech ja am Schluss für sie uszahlt.
Schliesslech geit är ei Stund vor Arbeitsändi nomau ga luege, anschiinend het är nid aui chönne überzüge, dass si zu ihm i Wybärg chöme. Zum zwöite Mal wärde die wo da umestöh als untätig und unnütz bezeichnet. Sie bringe ke Frucht, so wie dä Wybärg vom Jesaja. D’Lüt ufem Marktplatz sy Taglöhner ohni eigets Land, süsch wäre sy ja itz uf ihrem Stück Land am Ärnti iibringe.
Dr Wybärgbsitzer het äuä o no nie öppis vo dr Sockelarbeitslosigkeit ghört. Das isch d’Aanahm, dass äs immer e Prozentsatz vo Lüt git, wo arbeitslos bliibe. Är findets schad, dass die Lüt eifach dr ganz Tag ufem Marktplatz umehocke. O sie sölle ihri Chance übercho, o wenn sie nume no ei Stund i Wybärg chöi ga schaffe. Allerdings heissts im Text nüt, öb dr Wybärgbsitzer ihne beträffend em Lohn öppis verspricht. Wieso die Letschte nid scho früecher uf das Arbeitsangebot iigstige sy bliibt offe.
Am 6i isch Fyrabe u den Arbeiter wird dr Lohn uszahlt, das sie ds Gäld hei für sech ihre Läbesunterhalt z’sichere. Erstunlecherwiis wärde zersch di Letschte uszahlt u sie überchöme gliich viu, wie die, wo scho am morge hei aagfange buggle u chrampfe. I würd säge, dr Wybärgbsitzer isch da strategisch schlächt vorgangen, wenn är hätti welle Striitigkeite verhindere. Aber är provoziert so d’Reaktion vo dene, wo z’Gfüehl hei sie syge z’churz cho.
Doch dr Wybärgbsitzer het sech scho öppis überleit u konteret d’Vorwürf vo de Früehufsteher. Sie hei dr Lohn übercho, wo abgmacht isch gsi u dr Räschte liegt im Ermässe vom Wybärgbsitzer, was är mit sym Vermöge macht. Gägenüber de Früehufsteher isch är grächt u gägenüber dä später Derzuegstossene isch är güetig.
Müglecherwiis hätti d’Ärnti nid vollständig chönne iibracht wärde, wenn nid vom 5i bis em 6i no Lüt wäre derzue cho! Das isch aber mini persönlechi Vermuetig u steit nid im Text.
Äs isch e Frag vor Perspektive, ob dr glich Lohn für beidi grächtfertiget isch. Drum seit dr Wybärgbsitzer wörtlech zu däm wo usrüeft: Oder blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin?
Wenns nume um die persönlechi Leischtig vo jedem Einzelne gange wär, wäri dr Lohn entsprächend den Erwartige vo de Früeufsteher usgfalle. Dr Wybärgbsitzer het aber müglechst viu Lüt bi sich welle beschäftige u ne glichzytig ä Lohn gä, wo ihri Existänz sicheret.
Zum Schluss betrachte mir z’Glychnis no vo usse här. Mir läbe im 21. Jh. u nume no zumene chline Teil Tagelöhner.
Was chöi mir uf üs übertrage us däm Glychnis?
Äs geit im Glychnis um Herrschaft vo Gott i üsem Läbe und nid umenes ökonomisches Arbeitskonzept. Was heisst Herrschaft vo Gott i üsem Läbe? Das isch für mi e Frag vo dr Usrichtig vom eigete Läbe. Im reformiert vom Februar seit dr Beda Stadler, Immunolog am Inselspital Bärn imene Interview: Ich stehe täglich auf und danke der Evolution, dass ich da bin.
U das het für mi anderi Konsequänze als wenn ig am morge ufstah u nes Unser Vater tue bätte. I versueche, mi am Biispil vo Jesus und em Handle vo Gott z’orientiere. D’Wärtschätzig und Beharrlechkeit de Mönsche so entgägezbringe wie dr Wybärgbsitzer u dermit rächne, dass Gott mi derzue unterstützt. I möchti versueche sini Güeti a Tag z’lege, die Güeti wo über mönschlech ermässeni Grächtigkeit usegeit.
Zwöitens frageni mi, wie äch di Arbeiter, wo zu verschiedene Zyte iigstellt wärde z’verstah sy. I stelle mir vor, dass dä gschilderet Tag wie d’Läbeszyt vomene Mönsch isch. Dr eint geit früecher i Wybärg, vilech i junge Jahr u öpper isch ersch gäge Namittag, mit 50i oder 60i bereit, sech Gott zuezwände u zum Gedeihe vo dr christleche Gmeinschaft biiztrage. Äs git im Glychnis ke Erklärig, wärum die einte ersch so spät i Wybärg chöme oder was sie vorhär gmacht hei. Ds Gheimnis vom Gloube, blibt äs Gheimnis. I chume lieber chli später derzue als dass es so geit wie imene andere Glychnis, wo dr eint zersch seit är göngi i Wybärg u när glich nid geit. Da sägeni lieber nei u überlege mirs när nomau. Ob früeh oder später Derzuegstosseni, Gott liege aui am Härze u dörfe uf sini Fürsorg zelle. U die Früeche sölle sech nid über die Spätere erhäbe, sondern beidi sölle ihre gägesytig Wärt für di christleche Gmeind gseh.
Aber o wenni meine i sygi itz im Wybärg, muesi mi immer wieder kritisch frage: Bini würklech no im Wybärg am schaffe für Gott u sini Ziel oder bini wieder ufem Marktplatz glandet oder uf di früeche u späte Arbeiter gmünzt: Läbeni nume für mini Leischtig z’zeige oder leischteni mi Biitrag, dass Läbe cha entstah u sech entfalte o grad we Zuekunft schwieriger wird.
Amen.
Dienstag, 16. Dezember 2008
Predigt zum 3. Advent über Jesaja 40,1-11
Kanzelgruss
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus
Amen.
Kanzelgebet
O barmherziger Gott, himmlischer Vater!
Da dein Wort für meine Füsse eine Lampe ist und ein Licht auf unserem Weg, deshalb bitten wir, du wollest uns durch Christus, der das wahre Licht der Welt ist,
unsere Herzen aufschliessen und erleuchten, dass wir deine Worte lauter und klar verstehen können und unser Leben danach gestalten.
Amen.
Lesung des Predigttextes aus dem Buch Jesaja, Kapitel 40, die Verse 1 bis 11
Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu,
dass ihre Knechtschaft, ihre Erniedrigung ein Ende hat,
dass ihre Schuld abgetragen ist.
Denn sie hat genug empfangen für all ihre Sünden.
Eine Stimme ruft:
In der Wüste bereitet dem HERRN einen Weg!
Ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott!
Jedes Tal wird sich heben und senken werden sich alle Berge und Hügel.
Was krumm ist, wird gerade werden und was hügelig ist, wird eben werden.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN, alle Sterblichen werden sie sehen.
Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.
Eine Stimme spricht: Rufe! Und ich sage: Was soll ich rufen?
Alles Sterbliche ist wie das Gras und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, wenn der Hauch des HERRN darüberweht.
Wahrhaftig, das Volk ist Gras!
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, doch das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit.
Steig auf einen hohen Berg, du Freudenbotin Zion!
Erhebe deine Stimme mit Kraft, du Freudenbotin Jerusalem!
Erhebe sie, fürchte dich nicht!
Sprich zu den Städten Judas:
Siehe, das ist euer Gott. Siehe, da ist Gott der HERR!
Er kommt mit Kraft und sein Arm wird herrschen.
Siehe, was er gewann ist bei ihm,
und was er sich erwarb, geht vor ihm her.
Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer auf seinem Arm sammeln und sie an seiner Brust tragen und die Mutterschafe leiten.
Predigt
Liebe Gemeinde,
Die eben gehörten Trost- und Ermutigungsworte erklangen zum ersten Mal in Babylon. Deshalb lade ich Sie auf eine Zeitreise ins 6. Jh. nach Babylon ein.
Babylon liegt im heutigen Irak. Dort lebten im 6. Jh. vor Christus Juden. Die Babyonier hatten nämlich im Jahre 597 v. Chr. Jerusalem erobert und zehn Jahre später sogar zerstört und dabei den Tempel niedergebrannt, was die Israeliten in eine tiefe Glaubenskrise stürzte. Beide Male brachten die Babylonier den israelitischen König, Hof- und Tempelbeamte sowie Handwerker und Soldaten in die Nähe der grossen Stadt Babylon. Die Babylonier wollten so verhindern, dass diese ehemals einflussreichen Leute, sich wieder gegen die Grossmacht Babylon auflehnen würden.
Schauen wir uns nun, eine Familie im Exil in Babylon genauer an. Wir schreiben das Jahr 567. Familie Harim wohnt in Nippur, unweit der Stadt Babylon. Zusammen mit vielen anderen Israeliten. Harim, der Vater ist Baumeister. Er ist talentiert und hilft beim Bau von königlichen Gebäuden in der Hauptstadt Babylon. So hat er ausserhalb des Dorfes Arbeit. Obwohl die Israeliten eigentlich Fremde im Land sind, können sie sich ihren Lebensunterhalt sichern und einige sind sogar zu einem ansehnlichen Vermögen gekommen. Harim und seine Frau Zippora sind 30 Jahre alt, beide kamen im Jahr 587 nach Babylon. Ihre beiden Kinder heissen Nathanael, 10 und Sara, 8 jährig.
Werfen wir einen Blick ins Haus der Familie. Es ist aus Lehmziegeln gebaut. Die Räume gruppieren sich um einen Innenhof, eine Art Atrium. Es hat einen Wohn- und Kochraum, Vorratsraum und einen Stall für einige Schafe. Es ist später Nachmittag. Im Innenhof stehen die beiden Kinder Harims, Nathanael und Sara. Die beiden schauen gespannt in den dunkel bewölkten Himmel während die Mutter Holz auf das Herdfeuer legt. Da ruft Nathanael ermunternd„Jetzt gibt’s wohl endlich diesen Schnee, Mama! Oder hast du solch grosse Wolken hier schon gesehen?“
Die Mutter blickt auf. „Hier schneit es doch nicht. Es hat noch nie geschneit in den 20 Jahren seit ich hier bin. Ach, Kinder, ich hätte euch wohl besser nicht vom Schnee in Jerusalem erzählt. Ja, in Jerusalem schneit es. Zwar nicht jedes Jahr, aber wenn es schneit, dann kann viel Schnee fallen. Schliesslich liegt Jerusalem im Bergland von Judäa, auf 800 m ü. M.“ Die Mutter stockt. „Ach, Jerusalem. Als ich zehn Jahre war, musste ich dich schon verlassen. Warum? Ach, Gott warum bist du so fern? Warum schaffst du mir nicht recht?“
„Du weißt ja gar nicht, was Schnee ist. Du hast das noch nie gesehen,“ erinnert Sara Nathanael. Dieser lässt das nicht auf sich sitzen und entgegnet: „Doch, Mutter hat es uns ja erzählt. Schnee macht ganz viel Spass und man kann darin herumtollen oder damit Schneehütten bauen.“ „Ob das wirklich so lustig ist, dieser Schnee, so kalt und nass? Lass uns lieber nach den Schafen auf der Wiese schauen. Wir können sie mit Vater zusammen zurücktreiben. Jetzt regnet es nämlich noch nicht.“ Nathanael lässt sich schliesslich überzeugen und die beiden schlendern durchs Dorf der Weide zu.
Die Schafe grasen noch. Sie stören sich nicht am anklingenden Wetterwechsel. Doch wo ist der Vater? Sie gehen über die Weide. Keine Spur von ihm. Aber er muss doch hier bei seinen Schafen sein? Da entdecken die beiden etwas. Unten am Bach, unten am Bach hat sich eine kleine Gruppe von Menschen versammelt. „Dort liest Jochanan, der Schriftgelehrte aus einer Schriftrolle“, erkennt Sara.
„Die Männer hören ihm aufmerksam zu. Einige runzeln die Stirn, andere haben glänzende Augen“, bemerkt Nathanael als sie sich der Versammlung nähern.
Jetzt hören auch die beiden Kinder die Stimme des Schriftgelehrten:
„Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu,
dass ihre Knechtschaft, ihre Erniedrigung ein Ende hat,
dass ihre Schuld abgetragen ist.
Denn sie hat genug empfangen für all ihre Sünden.
Eine Stimme ruft:
In der Wüste bereitet dem HERRN einen Weg!
Ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott!
Jedes Tal wird sich heben und senken werden sich alle Berge und Hügel.
Was krumm ist, wird gerade werden und was hügelig ist, wird eben werden.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN, alle Sterblichen werden sie sehen.
Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.
Diese Worte hat uns der Prophet Jesaja geschenkt. Er gehört zu unserer Exilgemeinde in Babylon. Mehr möchte er nicht von sich preisgeben. Ihr wisst, die Babylonier wollen keine Aufrührer und Aufwiegler in ihrem Land. Bedenkt die Worte Jesjas. Wir können dann in der Sabbatversammlung darüber sprechen. Geht jetzt wieder eures Weges.“
Als der Kreis auseinandergeht, finden Nathanael und Sara ihren Vater Harim.
„Warum bist du hier unten und nicht bei den Schafen?“, fragt Nathanael mahnend. „Der Vater, weiss schon, wann er die Schafe allein lassen kann!“, verteidigt Sara ihren Vater, „Ausserdem, hat Jochanan von Jerusalem erzählt, dann muss es etwas Wichtiges sein.“
Hiram ist froh, dass er zuerst die Schafe zusammentreiben kann, bevor er auf Saras Ausspruch reagieren will. Er lässt sich die prophetischen Worte nochmals durch den Kopf gehen. Trost und Befreiung leuchteten ihm aus diesen Worten entgegen. Schöne Worte, doch sind es mehr als schöne Worte? Ja nach Jerusalem zurückgehen, den Tempel wieder aufbauen. Dann könnten wir der ganzen Welt zeigen, dass uns Gott nicht im Stich gelassen hat. Trotz unserer Untreue und dem Götzendienst.
„Komm, wir müssen los, noch finsterer können die Wolken wohl nicht werden!“ Diesmal ist es Sara, die ihr Pflichtbewusstsein zeigt. Harim hat seine Gedankenreise abrupt beendet. Jetzt ziehen die drei mit ihrer kleinen Herde nach Hause zu Zippora. Auf dem Weg kommt Harim dann doch noch auf die Prophetenworte zu sprechen. „Ja, Sara, du lagst richtig mit deiner Vermutung. Jerusalem ist für uns Juden sehr wichtig, auch wenn wir momentan hier in Babylon im Exil leben. Die Prophetenworte sind ein Zeichen von Gott. Er hat uns nicht verlassen und möchte uns trösten. Wir haben die Konsequenzen für unser Handeln genug ertragen müssen, jetzt soll eine neue Zeit anbrechen. Mit Gottes Hilfe beschreiten wir einen neuen Weg …“
„Den Weg nach Jerusalem, dort wo es Schnee gibt!“ meint Nathanael froh. „Nur nicht so schnell,“ bremst ihn Hiram, „morgen werde ich in Babylon mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes beginnen. Das wird eine Weile dauern.“
Ja, liebe Gemeinde falls Sie sich beim Zuhören gefragt haben, ob es in Jerusalem wirklich schneit, kann ich es Ihnen bestätigen. Während meines Aufenthaltes in Jerusalem in den Weihnachtstage 2006 fegte ein regelrechter Schneesturm über die Stadt. Der Verkehr stand still. Die meisten Autofahrer hatten ja noch ihre Sommerpneu auf den Autos, denn einer solchen angekündigten Wetterprognose schenkten sie kaum glauben. Auch zu fuss wurde das Fortkommen für mich schwierig. So tat ich das der Situation angemessene und ging auf einen Apfelstrudel und einen Kaffee mit Schlagober ins österreichische Hospiz in die Wienerstube. Doch der Schnee draussen wurde höher und höher.
[gestrichener Teil, da die Predigt sonst zu lange geworden wäre ;-)
Was also da auf der Strasse passiert, das wissen Spediteure und Lastwagenfahrer besser als ich. Deshalb lese ich Ihnen aus dem Tagebuch eines Transporteurs:
Auf Dienstag und Mittwoch sind Temperaturen um den Nullpunkt sowie Schnee angekündigt. Die Autofahrer werden nun wieder die Garagen stürmen und die Winterpneu montieren lassen. Damit sind dann wohl wieder alle Garagen bis auf weiteres ausgebucht. Ein paar andere Autofahrer werden den Prognosen wohl keinen Glauben schenken und dann erst beim wirklichen Eintreffen des ersten Schnees die Garagen aufsuchen. Beim ersten Schnee jeden Jahres gibt es dann wohl wieder ein kleineres Chaos auf den Strassen, da viele immer noch mit Sommerpneus herumfahren und kleinere Unfälle bauen und die Strasse verstopfen.
Und wirklich am frühen Dienstagabend sanken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Nach 2..3 Stunden, so um 20 Uhr, begann es zuerst zu regnen und später zu schneien. Weil die Temperaturen bereits unter dem Nullpunkt lagen verwandelte sich der Regen auf der Strasse sogleich zu Eis. Es gab viele Unfälle und Blechschäden welche die Strassen verstopften. Die Räumfahrzeuge und Salzstreuer konnten die Strassen nicht mehr frei räumen weil so viele Fahrzeuge die Strassen verstopften. Dann setzte auch noch der Feierabendverkehr ein und das Chaos wurde komplett.]
Wie haben Sie den Schneefall in den vergangenen Tagen erlebt, liebe Gemeinde? Kam er für sie ebenso überraschend wie für die gerade genannten „ungläubigen“ Autofahrer mit ihren Sommerpneu? Oder ist der anfängliche Ärger verflogen beim Anblick der schneebedeckten Bäume mit ihren verzweigten Ästen und Zweigen. Hat die strahlende weisse Pracht in ihr Schlafzimmer geschimmert als sie am Morgen aufgestanden sind?
Auch Gott lässt seine Pläne für uns durchschimmern. Zugegeben nicht immer in der Strahlkraft der Botschaft eines Jesaja. Doch lassen wir sie auf uns wirken.
Jesaja fordert sein Volk auf, ihm einen Weg zu bahnen. Das ist anstrengend. Nicht nur im übertragenen Sinn. Sicherlich haben viele von Ihnen in den letzten Tagen die Schaufel oder die Schneefräse in die Hand nehmen müssen. Der Schnee versperrte die Strasse und die Menschen müssen ja auch arbeiten gehen- auch bei Wintereinbruch. Es hätte aber keinen Sinn gehabt, die Strasse zu räumen, wo niemand darauf erwartet wird. Für Jesaja hat das Wegbereiten zwei Seiten. Zuerst geht es darum, den Weg freizumachen für den der kommt. Ich schaffe Dinge weg. Das können Gewohnheiten, Ansichten, Einstellungen oder Zeiteinteilungen sein. Es sind Dinge, die mich vom zu Erwartenden trennen oder mich vergessen lassen, dass da jemand kommt. So schaffe ich eine gute Grundlage für die kommenden Begegnungen. Zu diesen Begegnungen gehört nach Jesaja zweitens die
Zu-wendung. Der Mensch soll sich bewegen, er soll sich hinwenden zu dem, der kommt. Der Mensch soll sich auseinandersetzen und befassen- eben vor-bereiten auf das Kommende.
Das können in Advent und Weihnachten der Schnee, liebe Menschen, verwandte Menschen, fremde Menschen und eben Gott sein.
Und da unsere Kräfte beschränkt sind, können wir uns dieses Vorbereiten zwar vornehmen, aber aus eigenen Kräften bewältigen- gerade wenn wir Gott empfangen möchten- das ist kaum vorstellbar. Deshalb dürfen wir auf Gott vertrauen wie wir dies im Lied „Wie soll ich dich empfangen“ gesungen haben: „O Jesu, Jesu, zünde mir selbst die Fackel an, damit mein Herz ergründe, was dich erfreuen kann.“ Wir können Jesus unsere Fackel hinstrecken. Aber die Fackel entzünden das ist Gottes Geschenk an uns.
Im Advent bahnt sich also etwas an.
Wie ist nun der Weg von Familie Harim verlaufen?
Im Jahre 539 hat der Perserkönig Kyros die Babylonier besiegt. Darauf hat er den Juden in Babylon erlaubt, nach Jerusalem zurückzukehren. Nicht alle kehrten zurück, denn sie hatten sich ja in Babylon gut eingerichtet. Doch bei den Rückkehrenden war die Freude riesengross, wie uns folgender Psalmabschnitt erspüren lässt:
Psalm 126:1-2 Als der HERR die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende. 2 Da war unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Jubel; da sagte man unter den Heiden: «Der HERR hat Großes an ihnen getan!»
Im ersten Teil der Geschichte befanden wir uns im Jahr 567. Familie Harim erwartete diesen Moment also noch 30 Jahre. Zippora und Harim, mittlerweile 60 jährig, Sara 38 und Nathanael 40 jährig. Sie haben Jesaja nicht vergessen und als sie nach einer beschwerlichen Rückreise die Stadt Jerusalem betreten, sagen sie voller Dankbarkeit: Seht her, Gott hat uns zurückgeführt in unsere Heimat, Halleluja! Ob Nathanael in Jerusalem den Schnee erleben konnte, weiss ich nicht. Familie Harim hat in Jerusalem mit Lebensmittelknappheit und Wohnungsnot zu kämpfen, aber sie weiss sich geborgen in Gott.
So haben sich diese Trost- und Ermutigungsworte bewahrt und sind bis zu uns überliefert worden, damit sie uns trösten, unsere Hoffnung festigen und unsere Liebe zu Gott und den Mitmenschen stärken. Der Prophet erinnert uns daran, anstatt auf Gott zu warten, Gott aktiv zu erwarten, im Advent, zu Weihnachten und im neuen Jahr, denn seine Zusagen hält er gewiss.
Amen.